Gänsehaut im Messerummel: Tag 3

Manchmal sind es persönliche Begegnungen mit einzelnen Autorinnen, die ihm Rede und Antwort stehen.

Dann wieder mischt sich storytim in die Menge, wenn Hunderte von Fans gebannt einem spannenden, erhellenden Dialog zwischen Schriftstellerin und Moderatorin lauschen.

Heute also: Der Festivalreporter und die Frauen …

Bärbel Schäfer (li.) im Gespräch mit Charlotte Link (Foto: storytim)

 

Im September hat Charlotte Link Band 6 ihrer Kate-Linville-Reihe mit dem Titel „Kalte Tage“ veröffentlicht. Nun hat Bärbel Schäfer sie zum Gespräch darüber in die „30-Minuten-WG“ gebeten. Zum Auftakt spricht Link mit viel Gefühl über das Ende des Vorläuferbandes und darüber, wie es war, für einen nahtlosen Übergang die Geschichte genau an dem Punkt wieder aufzugreifen, an dem sie endete. Vor allem geht es dabei um die emotionale Situation ihrer Figuren.

Zunächst ist das Gespräch locker und teils scherzhaft. Etwa dann, wenn Autorin und Moderatorin über Onlinedating sprechen und wie sich die Partnersuche verändert hat, verglichen mit der Art und Weise, die die beiden in „ihrer Zeit“ erlebt haben. Was, wie Link scherzhaft bemerkt, ja bereits im vergangenen Jahrtausend stattfand.“

Das Thema kommt nicht von ungefähr, spielt doch in „Kalte Tage“ Onlinedating und die oftmals damit einhergehende Schönfärberei der eigenen Person im Vorfeld eine entscheidende Rolle. Die Frage, ob sie dabei auf eigene Erfahrungen zurückgreifen könne, verneint Charlotte Link. Inspiration hätten vielmehr Geschichten aus dem Bekanntenkreis geliefert.

Was hingegen sehr wohl mit der Autorin selbst zu tun hat, ist der Zusammenhang zwischen Schnee und Klaustrophobie: So sei sie in einem denkwürdigen Winter nach starkem Schneefall mit ihrem Hund kaum aus dem Gartentor herausgekommen. Perfektes Thriller-Setting also.

Später wird das Gespräch noch ernster. Aufgrund ihrer intensiven Beschäftigung mit realer Polizeiarbeit weiß die Thrillerautorin, dass es durchaus mehr Cold Cases gäbe, als man denken könne. Für Angehörige sei dies sehr schwer, da sie für die Verarbeitung der Situation einen Abschluss brauchen … eine Gerechtigkeit … die Gewissheit, was wirklich passiert ist. Sie brauchen einen Täter! Den jedoch gäbe es im Thriller mehr als in der Realität.

***

Bestsellerautorin Anna Schneider, bekannt für die „Grenzfall“-Krimis, hat ihren ersten psychologischen Spannungsroman veröffentlicht. Mit massiver Präsenz begegnet einem „Blut für Blut – Eine Geschichte über Familie, Schuld und Rache“ am Stand des S. Fischer Verlags, schon das Cover bedrohlich.

Klar, dass da ein Blick ins Buch obligatorisch ist. Meine Erwartungen werden nicht enttäuscht – bereits der Prolog lässt mich schaudern und beschwört nächtliche Ängste vor seltsamen Geräuschen im und um das Haus wieder herauf.

Im persönlichen Gespräch erzählt Anna Schneider, dass sie mit diesem Roman mit Thrillerelementen eine ganz neue Zielgruppe ansprechen möchte.  Es gehe darin auch viel um die Charaktere und deren Innenleben.

Wie schön, im Leseherbst diese neue Facette einer Lieblingsautorin entdecken zu können.

Vom reinen Krimi zum psychologischen Spannungsroman.

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